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Vierzig Interessierte folgten der Einladung zum Infoabend: Ein Biodiversitätshotspot an der Belastungsgrenze? - Aktuelle Ergebnisse aus der naturwissenschaftlichen Begleitforschung im Leipziger Auwald.

Ein Blick auf die Leipziger Auenlandschaft aus dem Jahr 2014. | Foto: Arne Weiß und Jan Bäss, 360bit.com
Ein Blick auf die Leipziger Auenlandschaft aus dem Jahr 2014. | Foto: Arne Weiß und Jan Bäss, 360bit.com

Im kürzlich stattgefundenen Informationsabend folgten 40 Interessierte den Vorträgen von Prof. Christian Wirth, Dr. Stefanie Henkel und Annalena Lenk zu Ergebnissen aus der Forschung zum Leipziger Auwald. Die aufeinander aufbauenden Vorträge gaben einen guten Überblick über den Zustand und die Schutzwürdigkeit des Leipziger Auwaldes und regten zu fachlich anspruchsvollen Fragen und einer lebhaften Diskussion an.

Die Hauptbaumarten des Hartholz-Auenwaldes, allen voran Esche und Eiche, sind als Lebensraum für holzbewohnende Käfer enorm wichtig. 568 Käferarten wurden in zwei Jahren auf nur 18 Bäumen festgestellt. Das sind 8 Prozent aller in Deutschland vorkommenden Käferarten, davon stehen 113 auf der Roten Liste Deutschlands und 15 sind Urwaldreliktarten (siehe Wirth et al., 2021). Laufende Untersuchungen aus einem deutschlandlandweiten Insektenmonitoring des eLTER Netzwerks mittels Barcoding (Vorkommen anhand genetischen Nachweises) geben Hinweise, dass auch die Diversität anderer Insektengruppen (v. a. Fliegen und Hautflügler) im Leipziger Auwald sehr hoch ist.

Jedoch gehen gerade diese Baumarten durch das Eschentriebsterben bzw. im Falle der Eiche durch eine mangelnde Verjüngung im Leipziger Auwald perspektivisch verloren. Die Eiche leidet unter dem Konkurrenzdruck des Ahorns, der sich durch die fehlenden Überflutungen und Trockenheit stärker ausbreitet als in intakten Hartholz-Auenwäldern. Im Jahr 2020 waren etwa 54 Prozent der jungen Bäume (< 5 Zentimeter Durchmesser, die sogenannte Verjüngung) im Leipziger Auwald Bergahorn-Bäume, zusammen mit anderen Ahornarten waren es 61 Prozent, während 0,3 Prozent der Verjüngung Eichen ausmachten. Eine zusätzliche systematische Suche fand erfolgreiche Eichenverjüngung (> 1 Meter Höhe) nur randlich von Lichtungen und Femelflächen. Daher wird seit langem die Eiche waldbaulich gefördert. Im Leipziger Auwald werden seit den 1990er Jahren Prozessschutz, Femelwirtschaft und Versuche zur Mittelwaldwirtschaft erprobt (siehe Engelmann et al. 2019: UFZ Diskussionspapier). Erste Ergebnisse einer Dissertation zu Fragen der Eichenverjüngung zeigen unter anderem, dass Kronendachöffnungen für die Bodenaktivität auch unter Klimawandelbedingungen im Auwald derzeit kein Problem darstellen. Weiterhin war in bisherigen Untersuchungen die Naturverjüngung von Eichen am erfolgreichsten, wenn jungen Eichen in Kleingruppen auf Schadflächen gepflanzt wurden und die Ahornverjüngung entfernt wurde.

Waldbaulichen Maßnahmen können aber nur ergänzend zu einer grundlegenden Revitalisierung der hydrologischen Dynamik der Leipziger Aue ihre Wirkung entfalten. Letzteres zu erreichen, ist das Ziel des Projekts Lebendige Luppe und weiterer Initiativen und Akteure.    

 

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