Ein Gewinn für Mensch und Natur

Lebensraumvielfalt des Leipziger Auwalds

Die naturnahe Flussauenlandschaft von Weißer Elster, Pleiße, Luppe und ihren Nebenflüssen ist ein europaweit bedeutsames Ökosystem mit verschiedenen besonders schützenswerten Lebensraumtypen wie großflächigen Altbeständen der Hartholzaue, Stieleichen-Hainbuchenwäldern, Resten von Weichholzauen, wertvollen Stromtal-Auenwiesen, Frisch-, Feucht- und Nasswiesen sowie Fließ- und Stillgewässern. Leipzigs Auensystem beherbergt außerdem zahlreiche und gut erhaltene, feuchte Hochstaudenfluren und geophytenreiche Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwälder. Als Hartholzaue bezeichnet man die auf höherem Niveau gelegenen und somit weniger von Flussausuferungen betroffenen Waldgebiete einer Auenlandschaft. Eine ursprüngliche und intakte Hartholzaue wird vor allem durch die Baumarten Eiche, Esche und Ulme bestimmt. Doch mit zunehmender Austrocknung nehmen auch untypische Vertreter der Hartholzaue wie Berg- und hauptsächlich Spitzahorn zu. Die Weichholzaue hingegen ist durch eine ufernahe Lage und damit einhergehende regelmäßige Überstauungen der Gewässer geprägt. Im Leipziger Auwald existieren nur noch kleinflächige Reste der Weichholzaue. Besonders schützenswert sind daher die Restvorkommen der Silberweiden-Weichholzaue, die man an der Luppe südlich von Schkeuditz-Modelwitz finden kann.

 - Foto: Maria Vlaic/NABU Sachsen

Der Zschampert

Der Zschampert bildet im Mittel- und Unterlauf die Grenze zwischen Leipzig und den Städten Markranstädt und Schkeuditz und verläuft nahezu durchgängig von Süd nach Nord.

Nach der Querung des Saale-Leipzig-Kanals in einem ca. 100 Meter langen Betondurchlass, tritt er in die Elster-Luppeaue ein und teilt sich in den nach Westen fließenden Augraben und den weiter nach Norden fließenden Zschampert. Das Bett des Zschampert ist heute nicht nur begradigt und befestigt, sondern führt auch wenig Wasser. In den zurückliegenden Jahrhunderten existierten hier mehrere Seitenarme, die sich bei Erreichen des Auwaldes zu einem in westlicher Richtung fließenden Gewässerbett, dem des Zschamperts, vereinigten. Die ehemalige Gewässerlandschaft aus verzweigten Seitenarmen wurde im Rahmen von Meliorationsmaßnahmen (Maßnahmen zur Urbarmachung von Boden) im 20. Jahrhundert beseitigt. Im Zuge dieser Maßnahmen wurde das Zschampertbett nahezu vollständig mit Betongitterplatten befestigt und nimmt Wasser aus zahlreichen Drainagesystemen auf. Schlussendlich wurde der komplette Unterlauf des Zschampert zwischen dem „Kanitzsch“ und dem Luppewildbett, im Ergebnis des Baus der “ Neuen Luppe“ sowie der Autobahn A9 in den 1930-er Jahren und auch aus Gründen des Hochwasserschutzes für Kleinliebenau beseitigt. Der Zschampert mündet seither im Kanitzsch direkt in die Alte Luppe. Im Projekt „Lebendige Luppe“ ist sowohl die Wiederherstellung dieses ehemaligen Zschampertunterlaufs zwischen dem „Kanitzsch“ und der Mündung in das Luppewildbett als auch dessen Bespannung vorgesehen.

Die Zschampertaue war Teil des Leipziger Auensystems

Eine punktuelle Quelle des Zschampert ist nicht bekannt. Das flächige Ursprungsgebiet lag in den Fluren westlich der Ortschaft Seebenisch, wo sich bis Ende des 19 Jahrhunderts Feldentwässrungsgräben zum Zschampert vereinigten.

Mit Beginn des Braunkohlelabbaus, Ende des 19 Jahrhunderts zunächst unter Tage, später im Tagebau Kulkwitz im offenen Bergbau wurde das Wasserdargebot vom Gewässer abgekoppelt. Aufgrund des zunehmenden Wasserdefizits fiel der Oberlauf des Zschampert immer mehr trocken, was sich auch auf den Mittel- und Unterlauf ausweitete.

Heute ist von der Auenlandschaft um den Zschampert nur noch wenig vorhanden. Einst erstreckten sich hier ausgedehnte Auenwiesen. Auch Moore (der Bach bildetet in Teilbereichen eine sogenannte Niedermooraue) und der benachbarte Bienitz gehörten in das Auenmosaik. Die Niedermoorwiesen waren die artenreichsten Wiesen im Leipziger Raum, vor allem für ihren Orchideenreichtum bekannt. Sumpfknabenkraut, Honigorchis, Sumpfsitter und die steifblättrige Fingerwurz sind Beispiele der ehemaligen Flora.

Bei langanhaltenden oder Starkregenereignissen uferte der Zschampert häufig aus, in den Bereichen nördlich der Bundesstraße 181 waren flächige Überschwemmungen typisch für die frühere Gewässerdynamik.

Mit Einsetzen des Braunkohleabbaus sowie der Überführung der Wiesen in eine bis unmittelbar an das Gewässer heranreichende, intensive, überwiegend ackerbauliche Nutzung verschwand die Bachaue mit ihren naturschutzfachlich wertvollen Wiesen nach und nach.

Heute besteht in allen Gewässerabschnitten des Zschamperts ein erhebliches Wasserdefizit. Bis Anfang der 1990er-Jahre existierten im Oberlauf noch vergleichsweise kontinuierliche Einleitungen, wie die Kühlwasserüberschussableitung aus dem ehemaligen Kraftwerk Kulkwitz. Heute wird er lediglich noch durch Niederschlagswasser und punktuellen Entlastungen des Kulkwitzer Sees sowie Elster-Saale-Kanals gespeist. Einen großen Teil des Jahres ist er daher trocken oder führt nur sehr wenig Wasser.

Im Rahmen der Umsetzung der EU- Wasserrahmenrichtlinie wird versucht, die Verbesserung des ökologischen Gewässerzustandes sowohl durch hydromorphologische als auch Maßnahmen zur Erhöhung des Wasserdargebots zu erreichen.

Zschampert - Foto: Birgit Peil / NABU Sachsen Zschampert-2 - Foto: Birgit Peil / NABU Sachsen Zschampert-3 - Foto: Maria Vitzthum / NABU Sachsen Zschampert-4 - Foto: Maria Vitzthum / NABU Sachsen
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