Den Kammmolchen auf der Spur in den Papitzer Lachen

Dr. Annegret Grimm-Seyfarth mit Artenspürhund Zammy Foto: André Künzelmann, UFZ

Dr. Annegret Grimm-Seyfarth ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ). Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung innerhalb des Projekts Lebendige Luppe widmet sie sich der Beobachtung (Monitoring) von Kammmolchen in den Papitzer Lachen zwischen Leipzig und Schkeuditz. Die ehemaligen Ton- und Lehmabbaugruben, die zum FFH-(Flora Fauna Habitat) Gebiet Leipziger Auensystem gehören, sind wichtige Ersatzlebensräume für viele Amphibien, besonders für europaweit streng geschützte Arten wie Rotbauchunke oder Kammmolch. Diese Arten finden hier Rückzugsräume, die anderorts im Leipziger und Schkeuditzer Auwald wegen der fehlenden Hochwasserdynamik und den dadurch fehlenden temporären Stillgewässern kaum noch vorhanden sind.

Um einen entsprechenden Schutz für die Amphibien zu gewährleisten, ist es wichtig mehr Informationen über deren Aufenthaltsorte während und nach der Paarungszeit zu erhalten. Damit kann auch deren Reaktion auf bestimmte Umweltfaktoren, wie z.B. extreme Trockenheit, erforscht werden. Die entsprechenden Untersuchungen erfolgen durch ein standardisiertes Beobachten (Monitoring) der Tiere. Zur Paarungszeit der Molche erfolgt so ein Monitoring klassischerweise durch den Einsatz von Keschern in den Paarungsgewässern. Stark gefährdete und versteckt lebende Amphibienarten werden jedoch mittlerweile mit Wasserfallen gefangen, die erheblich weniger Stress bei den Tieren oder Verwirbelungen in den Gewässern verursachen. Deshalb erfolgt beim Kammmolchmonitoring in den Papitzer Lachen die Zählung der Kammmolche und deren Larven ebenso durch den Einsatz von Wasserfallen. Die Wasserfallen, auch Reusen genannt, werden dafür von Dr. Annegret Grimm-Seyfarth und ihrem Team in ausgewählte Lachen platziert und täglich kontrolliert. Bei dieser Kontrolle werden die gefangenen Amphibien gezählt, vermessen, gewogen und fotografiert, wodurch Wiederfänge identifiziert werden können.

Außerhalb der Paarungszeit, in den Sommermonaten, gestaltet sich ein solches Monitoring jedoch schwieriger, da sich die erwachsenen Tiere zu unbekannten Orten in teilweise dichtes Unterholz zurückziehen. Deshalb war es bisher relativ kompliziert, solche Standortinformationen zu sammeln. Seit geraumer Zeit gibt es hierfür allerdings eine erfolgsversprechende Lösung – Spürhunde.

Allgemein bekannt ist, dass mit Hilfe von Spürhunden Menschenleben gerettet werden. Beispielsweise lassen sich mit Hilfe der Hunde verschüttete Menschen in Lawinen oder eingestürzten Häusern finden. Das man Spürhunde auch für das Auffinden und Monitoren von bedrohten Tierarten wie beispielsweise Fischotter, Feldhamster, Haselmaus oder Kammmolch nutzen kann, ist in Europa jedoch bisher wenig bekannt. Die Hunde bieten den Vorteil, dass sie erheblich effektiver beim Auffinden von Tieren und deren Hinterlassenschaften (Kot oder Behausungen) sind. Zusätzlich ist die Störung geringer wie beispielsweise durch das klassische Umdrehen von Steinen und Holz, um bestimmte Amphibien zu finden.

Um mehr über die interessante Beobachtungsarbeit von Frau Dr. Grimm-Seyfarth zu erfahren, haben wir ein Interview mit ihr geführt.

Guten Tag, Frau Grimm-Seyfarth! 2018 und 2019 waren ja beides sehr warme, um nicht zu sagen heiße Jahre. Haben diese und die damit verbundene Trockenheit einen nachteiligen Effekt auf die Kammmolch-Population in den Papitzer Lachen gehabt?

Insgesamt scheint die Kammmolchpopulation in den letzten Jahrzehnten eher abgenommen zu haben, weshalb wir zunächst sehr erfreut waren, doch einige Individuen nachweisen zu können. Um allerdings herauszufinden, ob die Population weiterhin abnimmt und ob die heißen Temperaturen sie zusätzlich belasten, benötigen wir noch ein paar Jahre Daten zum Vergleich. Auch wenn wir derzeit noch keine genauen Aussagen zur Gesamtpopulation treffen können, wissen wir einiges zur Reproduktion in diesen beiden Jahren. Während wir im Jahr 2018 eine recht gute Reproduktion beim Kammmolch nachweisen konnten, haben im Jahr 2019 als Folge auf den heißen und trockenen Sommer 2018 wahrscheinliche einige Tiere die Laichperiode ausgelassen. Das ist eine häufig beobachtete Anpassung bei Molchen und vielen anderen Amphibien auf schlechte Umweltbedingungen. Die verbliebenen Tiere hatten auch nur einen geringen Reproduktionserfolg. Leider war es im Jahr 2019 wieder sehr heiß und trocken, sodass wir noch sehr gespannt sind, was in diesem Jahr geschehen wird.

Insgesamt wurden für die Kammmolche im Juni beider Jahre (2018, 2019) mehr weibliche Kammmolche im Vergleich zu den männlichen Kammmolchen nachgewiesen. In Aquarienversuchen konnte gezeigt werden, dass Weibchen bei Wassertemperaturen von unter 18 Grad entstehen und männliche Tiere bei Wassertemperaturen von über 24 Grad (Wallace et al. (1999) und Wallace & Wallace (2000)). Kann man dieses Geschlechterverhältnis also über die Wassertemperaturen erklären? Wie verhält es sich mit den Wassertemperaturen in den Papitzer Lachen für diesen Zeitraum?

Ein Weibchenüberschuss im Juni ist normal und liegt daran, dass die männlichen Tiere zum großen Teil bereits abgewandert sind und sich nicht mehr am Laichgewässer aufhalten. Betrachten wir die gesamte Laichperiode, finden wir ein Geschlechterverhältnis von 1:1, betrachten wir nur den Mai, haben wir sogar einen leichten Männchenüberschuss. Da Kammmolche mit einem Mindestalter von 10 Jahren relativ alt werden können, würde die Ursache für das beobachtete Geschlechterverhältnis etliche Jahre zurückliegen, denn die Temperatur kann nur auf Laich, unter gewissen Umständen noch auf die Larven wirken, wie Wallace et al. (1997) gezeigt haben. Weiterhin ist bisher unklar, ob und wie sich das im Freiland überhaupt auswirkt. Die hohen Wassertemperaturen der Jahre 2018 und 2019 könnten allerdings das Geschlechterverhältnis der Larven beeinflusst haben. In größeren Gewässern verändert sich die Temperatur im Laichzeitraum kaum und liegt bei ca. 17°C im Durchschnitt. An einzelnen Tagen kann der Wert allerdings deutlich höher liegen. Besonders in kleineren und flacheren Gewässern liegt die Durchschnittstemperatur bei über 20°C. Im letzten Jahr bei besonders heißen Temperaturen und bei schnellem Absinken des Wasserstandes stieg die Temperatur besonders schnell an, was sich dann auch auf die Larven ausgewirkt haben könnte, sodass eventuell sogar die von Wallace et al. (1997) beschriebene Geschlechtsumkehr von weiblichen zu männlichen Larven stattgefunden haben könnte. In jedem Fall wird es aber noch eine Weile dauern, bevor diese Tiere dann wieder an die Laichgewässer zurückkehren werden.

Die durchschnittliche Gelegegröße von Kammmolchen beträgt ca. 200-300 Eier. Die Larvenzahlen pro gefangenem Weibchen im Monat Juni betragen für 2018 allerdings nur 11 Larven und 2019 war es sogar nur eine Larve. Warum lassen sich insgesamt nur so wenige Larven pro gefangenem Weibchen nachweisen?

Zunächst einmal unterliegen Eier und Larven einem hohen Druck durch Fressfeinde und werden dadurch stark dezimiert. In besonders warmen Jahren können sich die Fressfeinde der Molchlarven, z.B. Libellenlarven und Käfer, extrem schnell entwickeln und groß werden. Bei diesem erhöhten Druck durch Fressfeinde ändert sich das Reproduktionsverhalten der erwachsenen Kammmolche ebenso wie die Überlebenschance der Larven. Im Jahr 2019 kam leider noch hinzu, dass wir einige Gewässer während der Larvenperiode nicht mehr beproben konnten, da sie bereits ausgetrocknet waren.

Um mehr über den Aufenthaltsort der versteckt lebenden adulten Kammmolche in den Landlebensräumen (Sommer- und Winterhabitate) herauszufinden, die außerhalb der Paarungszeit aufgesucht werden, kann ein ausgebildeter Spürhund zum Einsatz kommen. Wie läuft der Einsatz eines solchen Spürhundes bei der Suche nach den Kammmolchen ab und worin bestehen die Vorteile eines solchen Monitorings?

Aus naturschutzfachlicher Sicht ist es für den Kammmolch wichtig, nicht nur auf ökologisch wertvolle Gewässer zu achten, sondern auch auf einen strukturreichen Landlebensraum, der möglichst optimale Bedingungen für die Kammmolche bereithält. Gerade im Zuge der Klimaerwärmung werden sich die verschiedenen Wälder stark ändern und damit auch deren Eignung für die Molche. Die Suche nach Kammmolchen in Landhabitaten, die notwendig für eine solche Untersuchung wäre, gestaltet sich jedoch als sehr aufwendig. Man müsste große gebietszerschneidende Zaunanlagen aufstellen oder eine hohe Anzahl an Untersuchungsgebieten (Transekten) jeweils mehrere dutzend Mal ablaufen, womit wir nicht nur die Molche sondern auch andere störempfindlichen Tiere in ihrem Lebensraum stören würden. Ein speziell auf Molche ausgebildeter Spürhund kann hingegen hierbei eine gute und effektive Alternative bilden. Dabei unterscheiden wir zwischen der Suche nach den Tieren selbst, z.B. in den Abendstunden oder nach Regenereignissen, und der Suche nach Verstecken der Molche. In beiden Fällen sucht der Hund bestimmte Transekte ab. Dabei erhält man schon nach ein- bis zweimaligem Ablaufen eine gute Datenlage. Der Hund selbst sucht mit der Nase nach den Tieren und sobald er sie riecht, setzt er sich hin und starrt in die Richtung des Molches. Dabei muss er genügend Abstand halten, darf nicht mit dem Molch interagieren und darf sich auch nicht von anderen im Gebiet vorhandenen Wildtieren ablenken lassen. Das alles erfordert ein intensives Training. Wir arbeiten mit einem Hund, der bereits über drei Jahre Erfahrung im Einsatz als Artenspürhund für verschiedene Tierarten wie Fischotter und Mink in störempfindlichen Gebieten hat. Besonders wichtig ist uns, dass wir beispielsweise die empfindlichen Bruthabitate von störanfälligen Vogelarten bei dieser Arbeit meiden. Insgesamt ist diese Art des Monitorings damit am wenigsten nachteilig für die Landschaft sowie für die Tiere selbst und hat dabei die höchsten Erfolgsaussichten.

Welche Amphibien konnten Sie noch in den Papitzer Lachen finden und wie häufig ist deren Vorkommen?

In den Papitzer Lachen kommen neben dem Kamm- noch der Teichmolch sowie See-, Teich-, Moor-, Gras- und Laubfrosch, Erdkröte, Rotbauchunke und Knoblauchkröte vor. Diese Arten kann man teilweise auch an den Gewässern hören, sofern man zur richtigen Zeit vor Ort ist. Wir können ihre Kaulquappen aber auch über unsere Fangmethoden am Gewässer nachweisen, was ein toller Nebeneffekt des Kammmolchmonitorings mittels Wasserfallen ist. Besonders häufig sind hierbei Kaulquappen von Erdkröten und Grünfröschen. Es ist jedoch auch sehr erfreulich, dass wir mit unseren Methoden auch besonders viele Rotbauchunken nachweisen können.

Wir bedanken uns bei Frau Dr. Grimm-Seyfarth für dieses spannende Gespräch.

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