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Gewässerrenaturierung und Freizeitnutzung der Leipziger und Schkeuditzer Aue - Herausforderungen für die Auenrevitalisierung (Teil 3)

Schneeglöckchen im Leipziger Auwald | Foto: Karolin Tischer | NABU Sachsen
Schneeglöckchen im Leipziger Auwald | Foto: Karolin Tischer | NABU Sachsen

Die Aue zwischen Leipzig und Schkeuditz ist nicht nur Lebensraum für Pflanzen und Tiere, auch wir Menschen nutzen sie rege. Über das ganze Jahr hinweg bietet uns die Auenlandschaft Ruhe und Gelegenheiten zum Innehalten im Alltag. Auf 2100 ha Leipziger Stadtwald findet man mitten in der Stadt einsame Plätze und Wege zum Spazierengehen. Viele Gewässer stehen für Paddler und andere Freizeitkapitäne zur Verfügung. Wer gern reitet oder joggt, kann dies auf kilometerlangen, schattigen Waldwegen tun oder verwendet diese als Möglichkeiten, die Stadt mit dem Fahrrad zu queren. Der Freizeitnutzung sind kaum Grenzen gesetzt und die Leipziger Bevölkerung weiß das zu schätzen. Dies hat unter anderem auch die Kommunale Bürgerumfrage zum „Leben am Auwald“ gezeigt, die 2018/19 durchgeführt wurde (Goldhahn et al., 2019). Gerade in den warmen, mittlerweile oft heißen Monaten ist der Auwald beliebt, denn er bietet angenehmere Temperaturen und sorgt auch für Kühlung in den angrenzenden Gebieten. Doch genau wie wir leidet der Auwald unter Hitze und Trockenheit.

Auf den ersten Blick wirkt das Ökosystem Leipziger Auwald intakt. Alte und junge Bäume, allerhand krautige Pflanzen, Fließgewässer und zahlreiche Insekten und Vögel sind zu entdecken. Sogar Totholz, d.h. einzelne Äste oder gar ganze abgestorbene Bäume, beherbergen vielfältiges Leben. Wer genau hinsieht, erkennt jedoch trockengefallene Hohlformen ehemaliger Fließgewässer. Statt auwaldtypischer Eichen, Eschen und Ulmen findet man immer mehr Ahorn entlang der Wege und im Sommer fallen die kahlen Zweige in den Wipfeln der Eschen auf.

Jüngst berichteten nun mehrere Zeitungen über die Studie zum Leipziger Auwald, wonach die Entwässerung des Gebiets und das Auftreten von Schadpilzen zu einer Veränderung der Baumartenzusammensetzung führen und bereits geführt haben.

Eine intakte Auenlandschaft sähe anders aus: Kleinere Fließgewässer wären zeitweise mit Wasser gefüllt und einige Zeit des Jahres wären Teile der Aue überflutet. Von diesen auentypischen, wechselnden Wasserverhältnissen würden viele Tierarten profitieren, wie beispielsweise der Laubfrosch, die Rotbauchunke sowie der Kammmolch oder die nicht so bekannte Weißmundige Tellerschnecke, die in stehenden kleinen und kleinsten Gewässern vorkommt.

Um ähnliche Verhältnisse in der Elster-Luppe-Aue zwischen Leipzig und Schkeuditz wiederherzustellen, sind im Rahmen des Projekts Lebendige Luppe südlich der Neuen Luppe die Wiedervernässung kleinerer und mittlerer Fließgewässer sowie Überflutungen im Auwald als erste Schritte einer Auenrevitalisierung geplant.  

Für den südlichen Auwald zeigen die Erfahrungen mit der Paußnitzflutung, dass solche, rasch umsetzbaren Maßnahmen sehr positive Effekte für die Aue haben, aber für die Bevölkerung auch zu Nutzungseinschränkungen führen können. Das beginnt bei Wegen, die während der Überflutungsphasen mitunter nicht begehbar sind. Fußgänger, Jogger oder Reiter müssten sich darauf einstellen, dass an einigen wenigen Tagen im Jahr ihre gewohnten Freizeitparcours unter Wasser stehen. Bestimmte Gewässer könnten für Wassersportler gesperrt werden, ähnlich wie wir es vom Floßgraben seit Jahren kennen.  

Über diese und weitere mögliche Folgen von Gewässerrenaturierungen in der Auenlandschaft, sind sich die Leipzigerinnen und Leipziger überwiegend bewusst. Auch das kann aus der Kommunalen Bürgerumfrage abgelesen werden. Obwohl die überwiegend temporären Nutzungseinschränkungen unangenehm sein können, machten sich die Befragten mehrheitlich keine Sorgen bezüglich der erwarteten Entwicklungen (Goldhahn et al., 2019).  

Wir haben im Auwald ein paar Bürgerinnen und Bürger getroffen und nach ihrer Einstellung zu Maßnahmen der Auenrevitalisierung befragt.

Frau T., die mit ihrem Hund im Auwald spazieren geht, schätzt die grüne Lunge so nah an einer dicht besiedelten Stadt.

Und die Joggerin Frau N., die kurz für uns stehen geblieben ist, sagt: „Ich laufe oft an der Neuen Luppe und der Nahle und denke mir fast immer, dass diese Flüsse gar nicht zum Auwald passen. Die sehen so künstlich aus. Der Auwald bräuchte doch vielmehr kleine Bäche und auch Überschwemmungen, oder? Und wenn ein Weg unter Wasser steht, dann laufe ich eben woanders lang. Das Gebiet ist doch groß genug.“

Die Rentnerin Frau M. meint „Ich bin regelmäßig im Auwald unterwegs, spazierend oder mit dem Rad. Gerade ist es morgens schön kalt und die Wege sind samt Matsch und Pfützen halb gefroren und halb nass, was sich sehr interessant anfühlt. Im Sommer sind gerade die matschigen Wege weniger besucht, was ich ganz gern mag.“   

Die spontanen Antworten wie auch die Umfrageergebnisse machen deutlich, dass den Befragten die Einzigartigkeit unserer Auenlandschaft wichtiger ist als mögliche Belastungen, die im Zusammenhang mit dem Erhalt der Aue entstehen können.  

Quellen:
Goldhahn, L.; Lange K. und Nissen S. (Hrsg. Bundesamt für Baturschutz): Leben am Auwald, Befragung zu Natur, Umwelt und Freizeitverhalten in Leipzig. 2019

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